PannArch - Archäologie im Burgenland 
Ausgrabung - Forschung - Vermittlung

Prospektionsmethoden

Unter Prospektion (von lat. prospecto, deutsch: in die Ferne schauen, Ausschau halten) versteht man in der Archäologie die Erkundung und Erfassung von archäologischen Stätten in einem bestimmten Gebiet, und zwar als grundsätzlich zerstörungsfreier Vorgang. 

Feldbegehung

Ein einfaches, aber wirkungsvolles Erkenntnisverfahren über die Existenz von Objekten unter einem Stück Erde ist die Oberflächenbegehung, auch Feld- beziehungsweise Bodenbegehung oder englisch Survey. Durch Störzonen und Disparitäten der Erdoberfläche, aber auch durch schlichte Bodenfunde erhält das geschulte Auge Aufschluss über mögliche Fundstätten.

Luftbildarchäologie

Die Luftbildarchäologie wertet Luftbildfotografien aus und gelangt so zu neuen Erkenntnissen. Die aus der Luft erfolgende Untersuchung des Bodens bedient sich verschiedener Aspekte, wie: 

Schattenmerkmale werden unter bestimmten optischen Verhältnissen – etwa bei Schräglicht in den Morgen- und Abendstunden – sichtbar. Bewuchsmerkmale zeigen sich in Differenzen von Kümmerwachstum und Üppigkeit des Bewuchses.
Bodenmerkmale umfassen die Unterschiede in der Bodenfärbung.

Geophysikalische Prospektion

Die geophysikalische Prospektion bedient sich verschiedener Methoden. Sie wird manchmal, entgegen dem allgemeinen Verständnis in der Archäologie, als zerstörungsfreier Vorgang definiert, Sondierungen und Bohrungen gehören damit strenggenommen nicht zu dieser 

Die Bodenwiderstandsmessung bzw. geoelektrische Prospektion untersucht die Varianz der elektrischen Leitfähigkeit des Erdbodens aufgrund von Einschlüssen. Dazu sind grundsätzlich zwei Sonden (unpolarisierbare Elektroden) nötig, zwischen denen der elektrische Strom fließt. In der Praxis werden 4-Pol-Verfahren wie die Wenner-Anordnung verwendet, um so den Übergangswiderstand an den vier Elektroden zu neutralisieren. Es wird meist mit Niederfrequenz-Wechselspannung gearbeitet, wodurch der Einfluss von Kontaktspannungen zwischen Erdreich und Elektroden eliminiert wird. Dieses Verfahren wurden von den Geophysikern zur Ortung von Bodenschätzen und Rohstoffen entwickelt und heute hauptsächlich in der Grundwasserprospektion angewendet.

Zur geomagnetischen Prospektion, auch Magnetprospektion oder Geomagnetik genannt, eignen sich Protonen- oder andere Nuklear-Magnetometer (etwa mittels Rubidium, Cäsium oder Alkalidampf), die den Betrag des Erdmagnetfeldes hochgenau (besser als 0,1 nT) und absolut (ca. 48000 nT in Mitteleuropa) registrieren können. In der Prospektion reicht es jedoch meist aus, nur die relative Änderung des Erdmagnetfeldes, bezogen auf einen Basispunkt, zu messen. Hierzu sind Fluxgate-Magnetometer in Gradiometeranordnung geeignet. Sie messen meist nur die Differenz einer Magnetfeldkomponente (normalerweise die vertikale) in zwei unterschiedlichen Höhen. Die Auflösung beträgt ca. 0,1 bis 1 nT und ist in der Regel gut geeignet für die archäometrische Prospektion. Ein wesentlicher Vorteil der Gradiometeranordnung ist, dass eine Korrektur der Magnetfeldmessungen wegen der zeitlichen Variation des Erdmagnetfeldes (von ca. 20 nT bis weiter über 500 nT innerhalb eines Tages) nicht mehr nötig ist. Inzwischen werden mehrere Fluxgate-Gradiometer in einer Linie angeordnet, so dass bei der Begehung ein breiter Streifen des Geländes erfasst werden kann. Dies ermöglicht eine schnellere Vermessung auch großer Flächen.  Die Interpretation der Messungen beschränkt sich meist auf die Identifizierung magnetischer Anomalien aus dem Magnetogramm. Dieses stellt die Rohdaten oder aufbereitete Daten flächenhaft als eine Karte der magnetischen Anomalien dar. Eine weitere Analyse der Anomalien, wie etwa die Bestimmung der maximalen Tiefe des Quellkörpers oder seine Magnetisierung, ist mit geophysikalischen Methoden zwar möglich, wird aber meist nicht durchgeführt. Hierfür sind Gradiometermessungen den Messungen der vollständigen Magnetfeldkomponenten unterlegen.  Magnetische Anomalien werden durch Artefakte wie Eisenteile, Schlacken, Tonscherben aber auch verrottete Baumpfähle erzeugt. In letzterem Fall sind hierfür magnetotaktische Bakterien verantwortlich. Einen weiteren, meist großräumigen Einfluss haben geologische Störkörper. Verwendet man keine Gradiometeranordnung, sind außerdem die zeitlichen Störungen des Erdmagnetfeldes zu berücksichtigen.

Das Georadar (GPR-Ground Penetrating Radar) ist ein elektromagnetisches Impulsreflexionsverfahren, bei dem kurze elektromagnetische Impulse in den Untergrund gesendet und nach Reflexion an Objekten und Schichtgrenzen oder Streuung an Einlagerungen wieder empfangen werden. Bei Georadarmessungen wird eine hochfrequente elektromagnetische Welle in einem Frequenzbereich zwischen 10 und 1000 MHz ausgesendet, deren Ausbreitung von der Permittivität und der elektrischen Leitfähigkeit des Materials bei dieser Frequenz abhängt. Die Permittivität beeinflusst die Geschwindigkeit, mit der sich das Radarsignal ausbreitet, während die elektrische Leitfähigkeit bestimmt, wie stark das Signal absorbiert wird. Haben zwei unterschiedliche Materialien gleiche oder sehr ähnliche physikalische Eigenschaften, so wird an der Grenze zwischen den Materialien kein Signal reflektiert.  Anders als in der Geoelektrik und der Magnetik liefert das Bodenradar primär einen tiefenaufgelösten Schnitt durch den Boden unter der Beobachtungslinie. Aus dem Zusammenfügen benachbarter Schnitte kann dann eine Karte der gesuchten Struktur für einen Tiefenhorizont erstellt werden.


Quelle: WIkipedia