PannArch
Verein zum Schutz und zur Erhaltung archäologischer Güter im Burgenland

Die Frühbronzezeit, 2200 - 1600 v. Chr.

Die bereits in der Kupferzeit beginnende Entstehung einer Schichtung der Gesellschaft setzt sich in der Bronzezeit weiter fort. Die Überschüsse aus der Ackerwirtschaft ermöglichten einigen Bevölkerungsgruppen die Spezialisierung zu Handwerkern, Händlern und Kriegern. Besonders reich mit Metallbeigaben ausgestattete Gräber lassen bereits an die Ausprägung einer Oberschicht denken.

Die namensgebende, technische Neuerung in diesem Zeitabschnitt ist die Bronze, eine Legierung aus Kupfer und Zinn, die einen dem reinen Kupfer an Härte und Widerstandsfähigkeit überlegenen Werkstoff ergibt. Da Zinnlagerstätten in Europa im Vergleich zu denen des Kupfers selten sind, intensivieren sich überregionale Handelsbeziehungen, um ausreichende Mengen des Metalls zur Verfügung stellen zu können. Dies hat weitreichende Kulturkontakte zur Folge. Die immer wieder auftretenden Funde von in großer Zahl niedergelegten, an Hand ihres Gewichts genormten Ringbarren lassen an ein Zahlungsmittel von festgelegtem Wert denken. Grabfunde zeigen allerdings, dass handwerklich gut ausgestaltete Exemplare auch als Schmuck um den Hals getragen wurden.

Rund um den Neusiedler See und im Wiener Becken entwickelt sich in der frühesten Bronzezeit die Leithaprodersdorf-Gruppe, eine Kulturerscheinung, die anhand ihrer, hauptsächlich aus Gräbern bekannten, keramischen Formen archäologisch gut fassbar ist. Das Fundgut weist auf eine Verwurzelung in der späten Kupferzeit hin, ebenso die gebräuchlichen Bestattungssitten. Männer werden in linker Hockerlage in Nord-Süd orientierten Gräbern niedergelegt, Frauen in rechter Hockerlage in Süd-Nord Orientierung.

Der entwickelte Abschnitt der Frühbronzezeit wird im Gebiet des nördlichen Burgenlandes von der Wieselburger Kultur eingenommen. Diese durch eine große Zahl an Gräbern bekannte Erscheinung belegt mit ihrem Verbreitungsgebiet die Gegend des Kreuzungspunktes der Bernsteinstraße mit der Donau, und kontrolliert somit zwei der wesentlichsten Verkehrswege Europas. Die teilweise überaus reich ausgestatteten Gräber der Wieselburger Kultur zeugen von dem Wohlstand, zu dem es zumindest Teile der Bevölkerung gebracht haben. Der Ursprung der Wieselburger Kultur kann vorerst noch nicht eindeutig geklärt werden. Die charakteristischen Keramikformen tauchen ohne Übergangsformen auf und sind gut von den benachbarten Kulturgruppen, beispielsweise der, Aunjetitz Kultur, die nördlich der Donau große Teile Ost- und Mitteleuropas einnimmt, abgrenzbar. Befundzusammenhänge im Gräberfeld von Jois deuten an, dass Elemente der Leithaprodersdorf-Gruppe neben den bereits vorhandenen Wieselburger Erscheinungen weiterhin bestehen bleiben. Die Bestattungssitte im Bereich der Wieselburger Kultur weicht von den vorhergehenden Bräuchen ab. Die Männer werden mehrheitlich in linksseitiger, die Frauen in rechtsseitiger Hockerlage bestattet. Die gleiche Ausrichtung der Gräber in einer Südwest-Nordost Achse bedingt somit den Blick der Männer nach Nordwesten, den der Frauen nach Südosten, wohingegen vormals seit der Glockenbecherkultur der Blick nach Osten üblich war. Der hier eintretende Wechsel in der Grabausrichtung spiegelt wohl einen, nicht näher erklärbaren, Wandel in der Geisteswelt der Menschen wieder. Die Gräber sind meist einfache, in den Boden eingetiefte Gruben, aber auch Hügelgräber sind bekannt. Als Grabeinbauten sind in einigen Fällen Steinumstellungen nachgewiesen.